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Es werden Posts vom Januar, 2010 angezeigt.

Woher kommt der Ausdruck „Tabula rasa machen“?

Tabula rasa machen ist zu einer beliebten deutschen Redewendung geworden, die soviel heißt wie „reinen Tisch machen“, „einmal so richtig aufräumen“ oder „Ordnung schaffen – ohne Rücksicht auf Verluste“. Tabula rasa kommt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt „abgeschabte Schreibtafel“. Schon in der Antike war es üblich, Wachs-Schreibtafeln zu benutzen. Mit dem Ende des Griffels konnte der Schreiber das beschriebene Wachs wieder glätten, sodass die Tafel danach wieder leer und unbeschrieben war. Im übertragenen Sinn bedeutet Tabula rasa machen also, einen (manchmal auch radikalen) Neuanfang herbeizuführen und mit etwas Altem abzuschließen.

Die alten griechischen Philosophen verglichen die Seele in ihrem Ursprungszustand mit einer solchen unbeschriebenen Schreibtafel. Auch bekannte Philosophen des Mittelalters und der Neuzeit bauten mit ihrer Vorstellung des menschlichen Verstandes und Bewusstseins bei der Geburt auf dieser Idee (eines unbeschriebenen Blattes) auf.

Was ist ein „Bug“?

Ein Bug (englisch für: "Wanze, Käfer, Insekt") bezeichnet in der EDV ein Programmfehler. Und so kam es dazu, dass ein Insekt als Bezeichnung für einen Fehler in der Software herangezogen wurde:

Der Erfinder Thomas Alva Edison bezeichnete in einem Brief 1878 kleine technische Störungen, z. B. ein Knistern in der Telefonleitung, als „Bugs“. So als würden sich Insekten an den elektrischen Teilen zu schaffen machen.

Als es noch riesige Computer mit Relaisschaltungen gab, konnte es schon mal vorkommen, dass sich ein Insekt in dieser Maschine verirrte. Je nachdem, wo das Tier dazwischen geriet und was es dort anstellte, konnte es zu Störungen oder einem Kurzschluss kommen. Dann entdeckte eine US-amerikanische Informatikerin 1947 wirklich ein Insekt, das Schuld an einer Fehlfunktion war – und klebte die Motte in ein Logbuch ein als erstes Tier, das nach einem Defekt entdeckt wurde.

Dann gibt es noch die Geschichte, dass Insekten die alten Lochkarten anfraßen – sie wurden schon Mitt…

Wie funktionieren Gleitsichtgläser?

Im Jahr 1959 präsentierte die Firma Essel (heute Essilor) die ersten Gleitsichtgläser der Öffentlichkeit. Der Erfinder Bernard Maitenaz hat sie vor allem für alterssichtige Menschen entwickelt. Mit der ganz normalen Alterssichtigkeit ist es nicht mehr oder weniger gut möglich, im Nahbereich scharf zu sehen. Eine Brille muss also her. Es gibt für diesen Zweck Lesebrillen, die mit Einfachgläsern rein auf das Sehen in der Nähe ausgelegt sind. Und es gibt (neben einigen anderen Formen) sogenannte Bifokalbrillen, die es dank zwei verschiedener Glasbereiche erlauben, sowohl in der Ferne als auch im Nahbereich scharf zu sehen.

Und genau diese Brille war es, die Bernard Maitenaz wurmte: „Im oberen Teil der Linse war die Fernsicht gut und das Nahfenster erlaubte ebenfalls eine gute Sicht. Doch dazwischen gab es einen Sprung, der das Blickfeld zerschnitt und das Sehen unnatürlich und unbequem machte. Dieser geteilte Blick schien mir einfach nicht akzeptabel. Deshalb habe ich angefangen, Berechn…

Sind Tomaten Obst oder Gemüse?

Was haben Kirschen und Tomaten gemeinsam? Sie sind beide leuchtend rot und im Sommer reif. Und sind beide auch Obst? Bei Tomaten denkt man eigentlich eher an Gemüse. Manche Menschen glauben trotzdem, dass Tomaten Obst sind. Aber was sind Tomaten nun wirklich?


Tomaten sind Gemüse
Die Antwort ist nicht ganz einfach. Tomaten sind Gemüse. Ganz genau gehören sie zum Fruchtgemüse. Ein entscheidender Unterschied zwischen Obst und Gemüse ist, dass die meisten Gemüsepflanzen nur ein Jahr alt werden. Auch Tomaten müssen jedes Jahr neu gepflanzt werden.


Die meisten Obstsorten sind mehrjährig
Die meisten Obstfrüchte wachsen an Bäumen und Sträuchern, die mehrere Jahre alt werden. Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen wachsen an Bäumen. An Sträuchern wachsen zum Beispiel Johannisbeeren, Brombeeren oder Stachelbeeren. Gabriele Kaufmann sagt, dass Tomaten nicht so süß wie die meisten Obstsorten schmecken und auch deshalb eher zum Gemüse zählen.


Einige Gemeinsamkeiten mit Obst
Zwei Sachen haben Tomaten all…

Wieso ist die Grüne Woche grün?

Angefangen hatte alles mit Lodenmänteln. Als die deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) Ende des 19. Jahrhunderts ihre Wintertagungen in Berlin abhielt, bestimmten in auffälliger Weise eine Woche lang grüne Kleidungsstücke das Bild der Stadt. Handwerk und Industrie boten parallel dazu im Tagungsviertel auf offener Straße berufsspezifische Artikel und Verbrauchsgüter an. Als dieser wilde „Handel und Wandel“ immer stärkere Formen annahm, hatte der Landwirt Hans-Jürgen von Hake, seinerzeit Mitarbeiter im Berliner Fremdenverkehrsamt, die Idee, die Tagung 1926 erstmals mit einer landwirtschaftlichen Ausstellung am Kaiserdamm zu verknüpfen. Die „Grüne Woche“ - der Begriff stammte wohl von Journalisten - war geboren.

Dieser Schritt fand damals einhellige Zustimmung. Waren doch davor Reit- und Fahrturniere, Kleintierausstellungen, ein Saatenmarkt und Jagdschauen über ganz Berlin verstreut. Diese präsentierten sich nun erstmals kompakt auf 7.000 Quadratmetern in einer Funk- und einer Autoh…

Was ist ein Kofferwort?

„Ich packe meinen Koffer und nehme mit ...“
„... zwei Wörter, die so gut zu einer Sache passen, dass ich ein neues Wort daraus mache“, könnte das Ende des Satzes lauten. Meist sind es tatsächlich zwei Wörter, die künstlich zu einem neuen Begriff verschmolzen werden – es können aber auch mehrere Wörter sein. Miteinander verknüpft werden oft nur einzelne Wortsegmente. Beispiel Datei: eine Verbindung aus „Daten“ und „Kartei“ oder Brunch: eine Wortkreation aus „Breakfast“ und „Lunch“. Im Genom stecken die Wörter „Gen“ und „Chromosom“; gebildet hat das Kunstwort der Botaniker Hans Winkler im Jahr 1920.

Die Bezeichnung Kofferwort kommt übrigens aus dem Kinderbuch „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll, der für seine Wortspiele bekannt war. Er verglich ein zusammengesetztes Wort mit einem Handkoffer. Folglich vereint ein Kofferwort in sich mehrere Teile von Wörtern.

Seit wann gibt es Radio und Wie lief die erste Radiosendung ab?

Die ersten Sendeminuten widmeten sich vor allem dem Weihnachtsfest: Der kanadische Physiker und Erfinder Reginald Fessenden (1866–1932) spielte Geige und trug die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vor. Seine Gattin sang gemeinsam mit einem Freund Weihnachtslieder. Zum Abschluss gab es ein Gedicht.

Wer zu dieser Zeit ein Funkgerät an hatte und die Sendung über Langwellen empfing, war sicher erstaunt, menschliche Stimmen zu hören. Denn bis dahin war nur die drahtlose Übermittlung von Morsesignalen gelungen. Fessenden vereint als Einzelperson übrigens fast die meisten Patente auf sich – nur sein Kollege Thomas Alva Edison (1847–1931) liegt mit knapp 1.100 Patenten vor ihm.

Was ist eine Kulturhauptstadt?

Sie erinnern sich vielleicht noch: Zehn deutsche Städte gaben im Jahr 2005 alles, um 2010 die Kulturhauptstadt Europas zu werden. Nur zwei von ihnen kamen nach einer Entscheidung des Bundesrats in die engere Wahl: Essen und Görlitz. Essen und das Ruhrgebiet machten letztendlich das Rennen.

Kunst und Kultur sind die zentralen Themen der gewählten Städte. Im Idealfall soll über die Kulturhauptstädte schon vier Jahre vorher eine Entscheidung getroffen sein. Nach einer bestimmten Reihenfolge dürfen EU-Länder jeweils eine Kulturhauptstadt stellen. Seit 1985 kürt der Kulturministerrat der Europäischen Union mindestens eine Kulturstadt Europas, wie sie bis 2005 noch hieß. Um das leisten zu können, erhält der Rat die Empfehlung einer internationalen und unabhängigen Expertenkommission, die alle Kandidaturen zuvor begutachtet hat. Da wegen der EU-Erweiterung viele Länder neu hinzugekommen sind, aber die Reihenfolge für die (alten EU-) Kulturhauptstadt-Länder schon feststand, gibt es jetzt für e…

Woher kommt der Name Ärmelkanal?

Ganz früher einmal – damals war der Wasserstand noch viel niedriger – waren das europäische Festland und die Insel Großbritannien miteinander verbunden. Es gab also so gesehen keine Insel, wohl aber an der Stelle des heutigen Ärmelkanals einen Fluss. Als der Wasserstand nach der letzten Eiszeit anstieg, konnte sich mit der Zeit eine Meerenge herausbilden, durch die mittlerweile das Wasser des Atlantiks in die Nordsee fließt. Die Entstehung des Ärmelkanals liegt bereits mehrere tausend Jahre zurück.

Wie und wann es dann zu dem Namen Ärmelkanal kam, ist nicht sicher belegt. Aber der Kanal heißt tatsächlich so, weil er Ähnlichkeit mit einem sich verjüngenden Ärmel hat: Von seiner breitesten Stelle aus (diese liegt beim westlichsten Punkt des Festlandes von Großbritannien, „Land’s End“) verschmälert sich der Atlantik nach Osten hin bis zur schmalsten Stelle zwischen Dover und Calais – von 180 auf 34 Kilometer in der Breite. Die Franzosen nennen die Meerenge „La Manche“ (= der Ärmel), anson…

Woher kommt das Dreikönigssingen?

Der Ursprung dieses Brauchs kommt aus dem 16. Jahrhundert. Damals kritisierte Martin Luther die Heiligenverehrung der Katholiken – also auch das Dreikönigsfest. Als Reaktion darauf und zur Stärkung des Feiertags verbreitete die katholische Kirche fortan Flugschriften, auf denen Sternsingerlieder abgedruckt waren, die den Festtag und seine Sinngebung beschrieben. Studenten und Schüler griffen die Liedtexte auf. Denn sie mussten sich ihr Schul- und Kostgeld oft als Almosen erbetteln. Dazu zogen sie vor wichtigen kirchlichen Festtagen durch die Straßen und sangen vor den Häusern der Reichen. Wer sich dadurch belästigt fühlte, konnte sich durch eine einmalige Zahlung an Neujahr oder am Dreikönigstag loskaufen. Im 17. Jahrhundert übten auch Tagelöhner, Soldaten und Handwerker das Sternsingen aus. Die Folge: Es entwickelte sich zu einer störenden Bettelei, die die Obrigkeit verfolgte und bestrafte. So verlor der Brauch an Bedeutung, verschwand aber nie vollends.

1959 griff das Kindermissions…